Anquetil - Mit Leib Und Seele

Anquetil - Mit Leib Und Seele

Autor : Paul Fournel,stefan Rodecurt (Übersetzung)
Geschlecht : Bücher, Sport & Fitness, Radsport & Biken,
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Dateigröße : 12.53 MB
Format : PDF, ePub

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Anquetil - Mit Leib Und Seele

Pressestimmen Leicht und anmutig Ein wunderbares Buch über den Radchampion Jacques Anquetil und die Leidenschaft «Ich war zehn Jahre alt, ich war klein, rundlich und hatte braunes Haar. Er war gross, schlank, blond und ich wollte sein wie er.» So tastet sich der französische Schriftsteller Paul Fournel an Jacques Anquetil heran, den Radchampion der 1950er und 1960er Jahre. «Ich hatte nur Augen für diesen Champion und bretterte mit meinen etwas kompakten Beinen wie ein Besessener um das Haus herum und träumte zugleich vom Grand Prix des Nations.» Fournel war Anquetil so nah, dass Traum und Wirklichkeit verschmolzen. Dank diesen geheimnisvollen Zwischenrealitäten entsteht nicht eine lückenlos recherchierte Biografie oder die schlichte Lobeshymne eines PR-Schreibers. Es ist der Versuch, am Beispiel Anquetil das Ideal des perfekten Radrennfahrers zu beschreiben, eines Genies auf dem Rad: leicht und anmutig in die Pedale tretend, unschlagbar im Zeitfahren, mit mathematischer Präzision die Tour de France vorbereitend und auch fahrend, gesegnet mit viel Renn-Intelligenz. Weil Fournel in späteren Jahren nicht die Schwärmerei für Anquetil, aber die Naivität verlor, wird ein differenziertes und dennoch wunderbar subjektives Bild gezeichnet. Fournel gelingt es grandios, die verschiedenen Ebenen literarisch zu verweben. Seine kindliche Erregung mit jenen subkulturellen Realitäten des Radrennsports, die einen Teil der Faszination begründen: Amphetamine oder geheime Absprachen. Diese werden seit Jahrzehnten als Legenden überliefert und zerredet, zu Mythen überhöht, bis der Wahrheitsgehalt kaum mehr auszumachen ist. Einmal, schreibt Fournel, soll Anquetil beim prestigeträchtigen Zeitfahren des GP von Lugano fünfmal die Gage erhalten haben. Er hatte zuvor schon sechsmal gewonnen. Die Veranstalter zahlten das doppelte Honorar, damit er startete, aber nicht gewann. Zwei Gegner, die nichts vom Deal erfahren hatten, zahlten ebenfalls, damit er verlor. Er gewann und kassierte die Siegerprämie. Anquetil sah blendend aus, war charmant und auf distanziert-elitäre Art blasiert. Er hat den Radrennsport nicht geliebt, aber das Geld, das er verdiente. Dies und seinen Dopingkonsum hat er bereits während der Karriere thematisiert. Später lebte er auf einem Schloss, als Gutsbesitzer und generöser Gastgeber; er hatte vielschichtige Beziehungen zu Frauen. Dies brachte ihm die Ehrfurcht ein, aber nicht die Zuneigung der Massen wie einem Raymond Poulidor, dem «ewigen Zweiten». Trotzdem verband die beiden eine Freundschaft, die am Sterbebett einen letzten Scherz ertrug. Anquetil soll dem Rivalen ins Ohr geflüstert haben: «Mein armer Raymond, ich werde als Erster die Reise ins Jenseits antreten. Du wirst wieder einmal Zweiter sein!» Anquetil ist im Alter von 53 Jahren gestorben. Fournels Buch vorzüglich übersetzt von Stefan Rodecurt ist nicht nur die kluge Annäherung an ein Radsportgenie. Es ist auch das federleichte Bekenntnis einer Passion. Walter Aeschimann Paul Fournel: Anquetil. Mit Leib und Seele. Egoth-Verlag, Wien 2014. Aus dem Französischen übersetzt von Stefan Rodecurt. 160 S., Fr. 28. . Französische Originalausgabe: Anquetil tout seul. Editions du Seuil, Paris 2012 (Neue Zürcher Zeitung, 15.5.2015)Er gewann fünfmal die Tour de France, blieb aber vielen Fans suspekt. Paul Fournel ist die Ausnahme. Nur Anquetils Privatleben bereitet ihm ein Problem 'Mein armer Raymond, ich werde als Erster die Reise ins Jenseits antreten. Du wirst Zweiter sein, wieder einmal.' Das soll der ewige Sieger auf seinem Sterbebett dem ewigen Zweiten ins Ohr geflüstert haben. 1987 ist Jacques Anquetil einem Krebsleiden erlegen, und wenn sie nicht stimmt, die Geschichte, so ist sie gut erfunden. Schließlich gilt Anquetil gegen Raymond Poulidor, so hieß der ewige Zweite mit vollem Namen, als eines der großen Sportduelle des 20. Jahrhunderts, und es ist nicht auszuschließen, dass der sterbende Anquetil den sich - übrigens mit 78 Jahren heute noch - bester Gesundheit erfreuenden Poulidor, mit dem er gut befreundet war, ein letztes Mal aufziehen wollte. Poulidor, dessen Name in Frankreich als Synonym für Pechvogel durchgeht und der die Sterbebett-Story 'nicht beschwören' will, hatte Anquetil zwar punkto Erfolg nie das Wasser reichen können. Die Sympathie der Fans aber galt dem Verlierer, wohingegen sie bei Anquetil nie so recht wussten, woran sie waren. So haben sich die Geschichten also fast immer um Poulidor gedreht. Achtmal stand er auf dem Podest der Tour de France, dreimal als Zweiter, fünfmal als Dritter, aber ganz oben stand er nie. Die Fans, sie litten mit ihm. 1964 war Poulidor besonders knapp dran, beim Ritt auf den Puy de Dôme, einen Vulkan im Zentralmassiv, rieben er und Anquetil ihre Ellbogen aneinander. Doch Poulidor hatte nicht überrissen, dass Anquetil am Ende seiner Kräfte war, und zu spät attackiert. In Paris fehlten ihm 55 Sekunden auf Anquetil, der seinen fünften und letzten Sieg davontrug. Es gibt aber auch Fans, die nicht zum Außenseiter halten. Paul Fournel war und ist ein solcher. Ein Fan von Jacques Anquetil. Der Pariser Fournel, Sohn eines Buchhändlers, ist Radfahrer aus Leidenschaft und Schriftsteller von Beruf. Als er ein Bub war, wurde er vom Vater zu Radrennen mitgenommen, Anquetil hat ihm von Anfang an imponiert. 'Sein Pedaltritt war zu schön, um wahr zu sein. Er gaukelte Leichtigkeit und Anmut vor, er gaukelte Höhenritt und Wiegetritt in einer überwiegenden Männerdomäne vor, die Holzfällern, Pedalrittern und Arbeitstieren vorbehalten war.' Und: 'Hinzu kommt, dass Anquetil bei intensiver Anstrengung die Miene nicht verzieht, die Zähne nicht fletscht, mit dem Kopf nicht hin- und herwackelt.' Fournels Hommage an Anquetil ist 25 Jahre nach dessen Tod erschienen, 2012, Titel: 'Anquetil tout seul'. Nun, kürzlich, hat der Wiener Egoth-Verlag des ehemaligen Sportjournalisten Egon Theiner eine deutsche Übersetzung herausgebracht. 'Anquetil - Mit Leib und Seele' lautet der nicht wirklich wörtlich übersetzte Titel. Mag sein, für 'Allein Anquetil' oder allein für 'Anquetil' liegen die Zeiten zu weit zurück. Allein Anquetils Privatleben also könnte Bücher füllen. Der Autor indes fängt damit wenig an, das ist nicht mehr der Anquetil, der ihn so fasziniert hat. Fournel springt hin und her. Einmal gibt er den Biografen, der sich Anquetils quasi etappenweise annimmt. Dann schreibt er aus der Sicht des Fans, der letztlich sogar zugibt: 'Ich wäre gern Anquetils Freund gewesen.' Und schließlich versucht er, sich in den Radrennfahrer hineinzuversetzen. Diese Passagen, in denen Anquetil in Ich-Form daherkommt, spiegeln manchmal auch den Hochmut wider, der ihm nachgesagt wurde. 'Der Lärm verstummt. Das Fahrerfeld arbeitet und leidet. Ich ziehe das Tempo weiter an.' (Fritz Neumann - DER STANDARD, 13.12. 2014) (Der Standard, 13.12.2014) Über den Autor und weitere Mitwirkende Paul Fournel wurde 1947 in Saint-Étienne, einst Hochburg des Fahrradbaus, als Sohn eines Buchhändlers geboren. Er studierte Literaturwissenschaft an der École normale supérieure in Saint-Cloud und hat seither zahlreiche Bücher veröffentlicht: Romane und Gedichtsbände, Essays und Erzählungen. Bereits vielfach wurde er für seine Arbeiten mit renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der »Prix Goncourt de la nouvelle« für seinen Erzählungsband »Les Athlètes dans leur tête« (»Wie Athleten ticken«). 2012 wählte das französische Magazin »Lire« den vorliegenden Titel zum Sportbuch des Jahres. Paul Fournel lebt in Paris und London. Wenn er nicht gerade an einem Buch schreibt, dann fährt er Rad - seine zweite Leidenschaft.